Über mich

Was gibt es über mich zu sagen? Am Wichtigsten ist doch, wie ich zum Schreiben kam. Wie mein erster Roman entstand und wie ich Autorin wurde. Deshalb an dieser Stelle meine Geschichte.

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Ich liebe Bücher. Keine große Überraschung, nehme ich an. Schließlich schreibe ich welche. Es kann nie genug Lesestoff im Haus geben und ich fahre auch nie ohne Buch weg. Wirklich: niemals. Und falls es doch mal passiert, drehe ich sofort um und hole Nachschub.

Mein Bücherregal sortiere ich nach folgenden Kriterien: Lieblingsbücher, Lieblingslieblingsbücher und Lieblingslieblingslieblingsbücher. Die letzten stehen in Kopfhöhe, damit ich sie immer sehe, wenn ich am Regal vorbeigehe. Es ist so ziemlich alles dabei: Romane, Reisebücher, Krimis, Science Fiction, natürlich Fantasy, jede Menge Bücher über Kunst, jede Menge Noten, ein Stapel Geo-Hefte, ein paar Bücher in anderen Sprachen, ein Stapel Literaturzeitschriften, Märchen, ein paar Jugendbücher, von denen ich mich bis heute nicht trennen kann, ein Stapel National Geographic, noch mehr Fantasy... ich nehme an, Ihr seht das jetzt vor Euch.

Irgendwann habe ich beschlossen, Romane zu schreiben. Das geht ganz einfach, dachte ich mir. Die Figuren hatten sich sowieso schon in meinem Kopf eingenistet. Der Plot klang einleuchtend und ziemlich spannend. Also setzte ich mich an den Computer, schaltete ihn ein und legte die Fingerspitzen erwartungsvoll auf die Tastatur.

Ich weiß nicht, ob Ihr das schon einmal versucht habt: einen Roman zu beginnen. Dann wisst Ihr ja, wovon ich rede.

Ich starrte auf den Bildschirm. Der Bildschirm starrte zurück. Der Cursor blinkte. Sonst passierte nicht viel.

Das ging eine ganze Weile so. Schließlich schaltete ich den Computer wieder aus. Stieg ins Auto und fuhr an den Schauplatz meiner Geschichte. Dort lief ich herum, beobachtete den Himmel, machte jede Menge Fotos, sog die Gerüche ein, guckte in staubige Winkel - und plötzlich wusste ich es. Plötzlich wusste ich ganz genau, mit welchem Satz mein Roman beginnen sollte.

Ich fahre auch niemals ohne einen Schreibblock und einen funktionsfähigen Stift weg. Wirklich - nie. Die ersten Notizen machte ich noch auf dem Parkplatz. Abends schrieb ich ein ganzes Kapitel. Und ich nahm einen ganzen Packen an Eindrücken und Ideen mit nach Hause.

esteffaniafeuerseileweb_88263_byesteffania_piqs_de.jpgVon jetzt an war es einfacher. Die Story entwickelte sich, die Figuren erwachten zum Leben. Es ist wirklich seltsam zuzusehen, wie ein Manuskript entsteht. Als würde man einen Schal stricken. Nicht, dass ich stricken könnte! Im Gegenteil. Beim Schreiben bekommt der Text Länge, Ausdehnung, Tiefe. Jeden Tag entsteht ein neuer Absatz oder ein weiteres Kapitel. Und irgendwann ist der Roman fertig.

Glücklicherweise habe ich viele wunderbare Menschen um mich, die mir bei diesem Vorhaben Mut machen, Tipps geben, meine Texte gegenlesen und mich geduldig und ausdauernd beraten. Mein Agent sorgte dafür, dass der Roman auch wirklich einen Verlag fand. Meine Lektorinnen feilten bis ins letzte Detail mit mir am Text - und ich bin detailversessen. Meine Familie ertrug meine Bauchlandungen und Höhenflüge. Ihnen allen kann ich nicht oft genug danken.

Schließlich klingelte der Paketbote an meiner Haustür. Ein netter, etwas atemloser Mensch, der gerade fünf Kilo Bücher die Treppe hochgeschleppt hatte. Natürlich hatte er keine Ahnung, was er mir gleich in die Hand drücken würde. Vermutlich wundert er sich noch immer über den Überschwang, mit dem ich ihm den Karton abnahm. Ich schleppte das Paket in die Küche, schnippelte diese schwarzen, festgezurrten Plastikbänder durch und dann hielt ich es endlich in der Hand: mein Buch.

Das Eigenartige ist: In diesem Augenblick fühlt es sich vollkommen fremd an. Als wäre das irgendein Roman. Ein Buch, das ich schon immer mal lesen wollte und endlich bestellt hatte. Ich bewunderte das Cover. Blätterte einmal von vorn nach hinten und zurück. Erst als ich die erste Seite aufschlug und die Namen meiner Hauptfiguren las, konnte ich es wirklich glauben: Dieses Buch habe ich geschrieben.

Warum ich Euch das erzähle? Damit Ihr wisst, wie es dazu kam, dass Ihr das Buch nun in der Hand haltet. Auf Euren Nachttisch legt. In Eurer Tasche mit Euch herumschleppt. Eurer besten Freundin ausleiht und vergesst, dass sie es längst ausgelesen haben müsste. Und damit diejenigen unter Euch, die tatsächlich an einem Roman schreiben, - und das sind meiner Erfahrung nach gar nicht wenige - wissen, dass man Ausdauer braucht und hartnäckig sein sollte. Man darf niemals aufgeben. Wirklich: Nie!

Das Wichtigste aber ist: Habt Spaß am Schreiben! Dann haben ihn Eure Leser auch.

Eure Lea

 

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© Lea Nicolai