Über das Schreiben

Mir werden immer wieder Fragen über das Schreiben gestellt. Die häufigsten beantworte ich gleich hier. Für alle anderen gibt es am Ende der Seite einen Link.

Wo schreibst Du? buch013web_115604_bysunshinetilli_piqs_de.jpg

Überall. In der Küche. Auf dem Balkon. Im Café. Vor allem aber am Schreibtisch. Mein Laptop sieht dementsprechend ramponiert aus. Ich würde gerne im Zug schreiben, kann mich aber schlecht konzentrieren, wenn nebenbei gekichert, geraschelt und gekuschelt wird. Manchmal schreibe ich auch von Hand, ganz altmodisch mit Tintenfüller.

Woher nimmst Du die Ideen?

Ich halte immer die Augen auf: Leute, Plätze, Ereignisse ... ich präge mir so viele Einzelheiten wie möglich ein. Beim Schreiben tauchen diese Erlebnisse wieder auf. Aber sie bekommen eine neue Qualität: einen fiktionalen Charakter, eine Funktion im Text. Mit der Realität haben sie meist nicht mehr viel zu tun – aber sie fügen sich wunderbar in die Geschichte ein.

Hörst Du beim Schreiben Musik?

Unbedingt! Das ist der Soundtrack zum Kopfkino. Ich höre alles von Adele bis Ess Björn Svenson, von James Blunt bis Toto.... die Liste ist bunt und lang und täglich kommt was Neues dazu. An manchen Tagen brauche ich aber auch absolute Ruhe.

Wie recherchierst Du?

Am liebsten an Ort und Stelle. Für Die Hexen fuhr ich beispielsweise ins Elsass und besuchte eine Dombauhütte. Die Hauptfigur Ravenna ist Steinmetzin - das sollte so echt wie möglich wirken. Ich habe mit den Menschen dort gesprochen und mir alles zeigen lassen. Außerdem durchforste ich Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, das Internet und führe Gespräche mit Leute, die mir mit ihrem Expertenwissen weiterhelfen. Bis das Buch fertig ist, trage ich also ziemlich viel Material zusammen.

Wie baust Du einen Roman auf?

Da gibt es kein Rezept. Spannung ist sehr wichtig. Tempo. Eine Prise Humor. Meine Helden müssen glaubwürdig sein – die Guten wie die Bösen. Ich will die Leser in den Bann der Gefühle ziehen, die auch die Charaktere überfluten: Neugier, Vorfreude, Angst, Neid, Anspannung, wachsende Verzweiflung. Das Gefühl, man schafft es nicht. Und es gibt immer wieder die eine oder andere überraschende Wendung – manchmal sogar für mich.

Was brauchst Du unbedingt zum Schreiben?

Kaffee - da bin ich bestimmt kein Einzelfall. Die richtige Stimmung, die richtige Musik. Ungestörtheit. Wenn ich mitten in der Geschichte bin, höre ich weder die Türglocke noch das Telefon. Hartnäckige Störer werden angeknurrt.

Wie sieht Dein typischer Arbeitstag aus?

Am liebsten schreibe ich drei bis vier Stunden am Stück. Dann komme ich so richtig in Fluss und bin mitten im Geschehen. Bevor ich Pause mache oder aufhöre, notiere ich mir alle Gedanken und Ideen für die Fortsetzung. Ein gelungener Tag bedeutet: ein abgeschlossenes Kapitel.

Was inspiriert Dich?

Licht und Schatten. Vogelgezwitscher. Baustellenlärm. Der Bauernmarkt um die Ecke. Fernzüge. Nachtfahrten auf der Autobahn. Kindergeschrei. Stille. Gute Bücher – das immer. Hitze. Die alte Kastanie im Hinterhof. Fußball und Krabbenfischer. Zeitung lesen. Essen kochen. Essen gehen. Essen. Kiesweiher. Entenrennen. Gartencenter. Museen. Rittersäle. Singen.

Was machst Du bei Schreibblockaden?

Als erstes erkenne ich an, dass ich total blockiert bin. Nichts geht mehr, der Kopf ist leer. Jetzt heißt es loslassen. Meist mache ich etwas, das überhaupt nichts mit Schreiben zu tun hat. Irgendwann setzt dann das Nachdenken über den Text wieder ein. Aber ich setze mich nicht sofort wieder an den Schreibtisch, sondern tue weiter, was ich gerade mache (bügeln, durch die Stadt laufen, Fensterrahmen anmalen, Blumen umtopfen). Die besten Ideen sind schon auf diese Weise entstanden. Erst wenn ich wieder richtig Lust habe, schreibe ich weiter.

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